BRIEF AUS DEM STURM (Dezember 2017)

 

Fauchend pfeifen wilde Winde

 

 

 

durch die Bäume, über Rinden,

 

 

 

die in eisigster Glasur

 

 

 

als Geiseln gieriger Natur

 

 

 

vom Nass umfingert sich verbiegen,

 

 

 

ergeben in Gewalten wiegen,

 

 

 

die sich unerbittlich zeigen,

 

 

 

wenn die Stürme fall’n und steigen,

 

 

 

wenn die Wolken Wahnsinn tragen.

 

 

 

Verehrte Gefährten!

 

 

 

Ich schreibe aus dem Auge des Sturms. Tatsächlich ist es hier sehr still zur Zeit – doch mir kommt es vor, als tosten tausend Winde durch mich hindurch:

 

 

 

 

 

 

Übermorgen, am Dienstag, dem 31. Oktober, kommt pünktlich zum Luther-Gedenktag mein Opernkonzertspektakel ZEITGEISTERBAHN in Freiburg zur Wiederaufnahmepremiere. Nach dem enormen Zuspruch im Sommer spielt das Philharmonische Orchester Freiburg und sein fabelhafter Kinder- und Jugendchor noch einmal die Revue über Albtraum, Utopie und den Anspruch auf Glück. (Theater Freiburg, 31. Oktober um 17 Uhr und 26. November um 11 Uhr). Hier ein paar Worte aus "Höheres Wesen":

 

 

 

"Ich habe gelesen von an die Tür geschlagenen Thesen."

 

 

 

"Ich glaub nicht an ein höheres Wesen".

 

 

 

"Ich habe gelesen: da ist eine Macht!"

 

 

 

"Ich glaub, dass wir nach dem Tod alle nur verwesen."

 

 

 

"Wehe, einer lacht!"

 

 

 

 

 

 

Zeitgleich habe ich die Freude, im Maxim Gorki Theater die 20-er-Jahre-Revue ALLES SCHWINDEL musikalisch einzustudieren. Charlestons, Foxtrotts, vierstimmige Tangoquartette – herrlich. Die Premiere ist am 17. Dezember, mehr dazu im nächsten Brief.

 

 

 

Als ich vor vielen Jahren auf der Privatparty eines für seinen Reichtum berühmten Industriellen sang und spielte, war ich sonderbar von Erkenntnis berührt: das Miteinander von Wert und Gegenwert erschien mir plötzlich klar als den gleichen Gesetzen folgend wie das Zusammensein in der Liebe. Ich war ganz euphorisch – wir helfen einander, in dem wir geben, wovon wir haben. Ich brachte die Gabe ein, den Raum mit in Musik verwandelter Sinnlichkeit zu fluten und empfing gleichwertiges Gleitmittel fürs gute Leben. Seitdem empfinde ich den Wert des Geldes anders, besser, gesünder. Vor mir liegt ein Stipendium des Bundes: ich schlage alsbald mein "Zelt" im großen Büro einer internationalen Unternehmensberatung auf, um dort meiner Arbeit nachzugehen und die andere Welt einzusaugen, zu umarmen und mit meiner zu verschmelzen. Ich bin sehr gespannt und werde berichten, von den vielen Leben, den Melodien, die sie hervorbringen.

 

 

 

 

 

 

"Und die Melodie des Lebens wird immer weitergehen" heißt es im von Jugendlichen getexteten Titelsong zur seit zehn Jahren immer wieder hochgradig ausgezeichneten Melodie des Lebens. Die Stimme der jungen Generation, die wir in den vielen TV-Musikformaten nur verzerrt und im Zusammenhang mit Beurteilung vermeintlicher Experten zu Gehör bekommen, klingt seit 2007 in ihrer ganzen Schönheit, Rauheit und mit dem Zauber und der Wucht derjenigen, die etwas zum ersten Mal tun. Zusammen mit denjenigen, die es seit Jahrzehnten auf den großen Konzertbühnen dieser Welt tun, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Im Februar kommt die 20. Melodie des Lebens zur Welt, vorher wird gefeiert: am 8., 9. und 10. November schauen wir auf eine Dekade Melodie des Lebens und die Entstehung des Zukunftslabors der Deutschen Kammerphilharmonie.

 

 

 

Als ich im großen Lebensorkan der Pubertät glückstrunken beschloss, Künstler zu werden und von Tönen zu leben, hätte ich nicht für möglich gehalten, was drin ist: So eine Vielfalt, so ein Durcheinander, so eine Gleichzeitigkeit. Und vor Allem: die Begegnung, aus der die Musik entsteht. Ich bin dankbar. 

 

 

 

Von Herzen mit dem frischen Wind, dem Winterlicht, dem Wohlgefühl,

 

 

 

Euer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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